Agaricus blazei murril, kurz ABM genannt, stammt ursprünglich aus dem brasilianischen Regenwald und wurde erst vor relativ kurzer Zeit als Heil- und Vitalpilz beschrieben. Aufgrund seiner Popularität und Effizienz wird er mittlerweile in größeren Mengen kultiviert und zählt zu den wichtigsten Medizinalpilzen. Auch die Grundlagenforschung zeigt starkes Interesse an diesem Naturprodukt. Neben den nachgewiesenen antikanzerogenen Eigenschaften werden zur Zeit vor allem die immunmodulierenden, antiallergischen, antidiabetischen und antiviralen Wirkungen des Pilzes erforscht.
ABM zeichnet sich durch eine ausgewogene Konzentration wertvoller Vitamine, Mineralstoffe und Aminosäuren sowie durch einen hohen Anteil an Polysacchariden aus. Für die therapeutische Wirksamkeit werden definierte Peptid-Glucane, vor allem 1-4 alpha-D-Glucan, 1-6 beta- D-Glucan, Ergosterin, die Vorstufe von Vitamin D, und eine als A-1 bezeichnete Verbindung als die verantwortlichen Leitsubstanzen beschrieben1.
Agaricus blazei zeigt deutliche Wirkung auf das Wachstum und die Rückbildung von Tumoren. Dies wird in erster Linie durch eine Aktivierung des verantwortlichen Immunsystems hervorgerufen, wodurch Makophagen und Neutrophile angeregt und ihre Effizient gegenüber Tumorzellen erhöht wird2. Auch die Zytotoxizität der natürlichen Killerzellen gegenüber Krebszellen wird verbessert. Dies geschieht durch eine Aktivierung der Interferon-gamma Produktion, die durch Interleukin-12 verursacht wird3.
Die antikanzerogenen Effekte von Ergosterin scheinen zudem auf die Verhinderung der Gefäßneubildung im Tumorgewebe zurückzuführen zu sein, was die Entwicklung eines Tumors einschränkt4. Die dokumentierte tumorhemmende und antimetastatische Wirkung des ABM Inhaltsstoffes A-1 (Natriumpyroglutamat) wird ebenfalls durch diesen Effekt erklärt. Außerdem kann A-1 eine durch Tumoraktivität bedingte verminderte Immunantwort wiederherstellen, wodurch sich ebenfalls ein krebshemmender Effekt einstellt5.
Sowohl in der Bekämpfung von Tumoren als auch in der Prävention von anderen Erkrankungen spielt die Aktivierung des Immunsystems durch ABM- Inhaltsstoffe eine entscheidende Rolle. Als zugrunde liegender Mechanismus wird eine Erhöhung der Phagozytosetätigkeit durch die Beta-Glucan- Fraktionen von Agaricus beschrieben. Dabei begeben sich Granulozyten und Monozyten auch verstärkt zum Ort des Entzündungsgeschehens6 und produzieren dort vermehrt entzündungsrelevante Zytokine7.
Es gibt Hinweise, dass ABM bereits in den ersten Phasen der Tumorentwicklung gegen die genetischen Veränderungen auf Zellebene wirken kann. Im Tierversuch wurden bereits starke antimutagene Effekte durch ABM beschrieben8. Dadurch scheint ABM zum präventiven Einsatz bei Personen mit erhöhtem Krebsrisiko geeignet. Neuere Grundlagenstudien deuten auf einen möglichen Einsatz von ABM bei Leukämieerkrankungen hin9. Durch ABM- Supplementierung konnte bei Mäusen eine Tumorregression festgestellt werden, wodurch sich ABM als mögliches begleitendes Therapeutikum in der onkologischen Praxis empfiehlt10.
Ein weiterer Tierversuch beschreibt die antimetastatischen Effekte der Beta-Glucan-Fraktionen von ABM. Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass der Einsatz von ABM bei Patienten mit metastasierenden Tumoren positiv zu bewerten sei11.
Im Tierversuch konnte gezeigt werden, dass eine ABM- Supplementierung nicht nur zu einer Erhöhung der immunologisch aktiven T-Zellen und deren Phagozytosekapazität führte, sondern auch auf die Bildung von Immunoglobulinen Einfluss nimmt. Dadurch wird eine Hypersensibilisierung gegenüber Antigenen verlangsamt, was ABM zu einer wichtigen präventiven Substanz bei allergischen Reaktionen macht12. Auch eine Beeinflussung der Histaminausschüttung durch die Mastzellen ist dokumentiert, was eine Abschwächung von anaphylaktischen Reaktionen bewirkt13.
Die Forschung, die sich mit antiviralen Effekten der ABM Inhaltsstoffe befasst, steht noch am Anfang. Dennoch gibt es viel versprechende Hinweise auf eine mögliche positive Beeinflussung viraler Infektionen durch eine Hemmung der Virusvermehrung im Anfangsstadium. Nachgewiesen wurde dies bereits für das Poliovirus in vitro14. Erste Ergebnisse für mögliche Mechanismen gibt es auch für das Hepatitis C- Virus beim Menschen15.
Auch gegen bakterielle Infektionen scheint ABM ebenfalls wirkungsvoll zu sein. Im Tierversuch konnte ein positiver Effekt bei einer systemischen Streptokokken- Infektion beobachtet werden. Es wird allerdings vermutet, dass diese Schutzfunktion über die bereits beschriebene Aktivierung des Immunsystems zu erklären ist. Dennoch empfiehlt sich ABM zum präventiven und begleitenden Einsatz bei bakteriellen Infektionserkrankungen16.
Eine erste klinische Studie mit Diabetes Typ-2 Patienten konnte nachweisen, dass eine begleitende Behandlung mit 1500 mg ABM Extrakt die Insulinresistenz signifikant verbessern konnte17. Damit eröffnet sich u.U. eine neue Einsatzmöglichkeit für diesen vielseitigen Heilpilz in einem bisher noch nicht beachteten Indikationsfeld.
1Fujimiya Y, Suzuki Y, Oshiman K, Kobori H, Moriguchi K, Nakashima H, Matumoto Y, Takahara S, Ebina T, Katakura R: Selective tumoricidal effect of soluble proteoglucan extracted from the basidiomycete, Agaricus blazei Murill, mediated via natural killer cell activation and apoptosis. Cancer Immunol Immunother. 1998 May;46(3):147-59
2Ebina T, Fujimiya Y: Antitumor effect of a peptide-glucan preparation extracted from Agaricus blazei in a double-grafted tumor system in mice. Biotherapy. 1998;11(4):259-65.
3Yuminamochi E, Koike T, Takeda K, Horiuchi I, Okumura K: Interleukin-12- and interferon-gamma-mediated natural killer cell activation by Agaricus blazei Murill. Immunology. 2007 Jun;121(2):197-206.
4Takaku T, Kimura Y, Okuda H: Isolation of an antitumor compound from Agaricus blazei Murill and its mechanism of action. J Nutr. 2001 May;131(5):1409-13.
5 Kimura Y, Kido T, Takaku T, Sumiyoshi M, Baba K: Isolation of an anti-angiogenic substance from Agaricus blazei Murill: its antitumor and antimetastatic actions. Cancer Sci. 2004 Sep;95(9):758-64
